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Mit der Feuerwehr um die Welt!
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Jan Riedel, Esther Krings (Das Team)
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Womit:
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Ehem. schweizer Pulverlöschfahrzeug, Magirus Deutz 170D11,
Bj 1975 (Das Fahrzeug)
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Wann:
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Start März/Apr 09, Dauer der ersten Etappe über Asien bis Singapur: 12 Monate (Die Route)
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| Ziele: |
Natur erleben, Kulturen begegnen, Menschen helfen.
(Unser Konzept) |
Besonderheiten:
Spannende Berichte mit Fotos & Video, zum Teil aus der Luft per Motorgleitschirm. (Die Ausrüstung)
Unterstützung sozialer und kultureller Projekte. (Die Hilfsprojekte) |
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Aktueller Hinweis zur Berichterstattung |
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Geschrieben von Jan Riedel
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26.06.2009 |
Unsere Berichterstattung erfolgte in den letzten Wochen stark verspaetet. Dafuer moechten wir uns sehr entschuldigen. Wir sind nun gesund und wohlbehalten in Kirgistan angekommen. Die aktuellen Geschehnisse zu den Wahlen in Iran haben uns nicht betroffen, da wir bereits zwei Tage vor der Wahl das Land verliessen. Die Reise hat in der Zwischenzeit auch einen emotionalen Wendepunkt erreicht, der bei uns fuer ein wenig Desorientierung gesorgt hat. Dazu kommen wir in einem spaeteren Bericht zu sprechen. Doch zunaechst folgen die weiteren Erlebnisse unsere Reise in chronologischer Reihenfolge – wir versuchen den Zeitverzug moeglichst schnell aufzuholen.
Viel Spass beim Lesen der letzten Berichte!
Jan & Esther
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Begegnungen am Kaspischen Meer |
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Geschrieben von Jan Riedel
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17.05.2009 |
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Iran, Choubar Talesh bei Astara, Kilometer 5.814
Auf den letzte Kilometern unser Route zum Kaspischen Meer überqueren wir die Gebirgskette, die den Küstenstreifen vom restlichen Iran trennt. Vor dem Gebirge herrscht sehr trockenes Klima. Es ist heiß, der Boden ist karg und wenig Bewachsen. Wo dennoch Pflanzen zu sehen sind, befinden sich meist Bewässerungsanlagen. Die Landschaft ändert sich schlagartig, als wir den höchsten Punkt, einen Tunnel in über 2.200m Höhe durchqueren. Aus dem Dunkeln des Tunnels kommend, blinzeln wir einer saftig grünen, fast jungelartigen Vegetation entgegen. Ab hier geht es innerhalb weniger Kilometer nur noch abwärts bis zum Meer. Auch die einheimische Bevölkerung hat die Natur für sich entdeckt und picknickt überall an den Hängen der Berge. Leider ist auch das Umweltbewusstsein der Iraner nicht sonderlich ausgeprägt. Oft sitzen sie umgeben von leeren Plastikflaschen und anderem Müll. Der Anblick schmerzt und passend an dieser Stelle muss ich meinen anfänglichen Einruck über die Sauberkeit in der Türkei leider revidieren. Von Westen nach Osten gab es immer mehr Müll in der Landschaft zu beklagen. Müllbeseitigung auf asiatisch heißt Abfallsammlung in Metallbehältern und allabendliches Anzünden derselbigen, was zu einem denkbar ekelhaften, beißenden Gestank führt, der uns leider auch in den nächsten Wochen immer wieder verfolgen wird.
Wir rätseln ein wenig, warum die Iraner so weit hinauf in die Berge fahren um mit Ihren Familien im Grünen zu sitzen. „Gibt es denn am Meer keine schönen Plätze?“, hadern wir. Auf Meereshöhe angekommen, genauer gesagt ein wenig tiefer, denn das Kaspische Meer liegt 28m unter dem Meeresspiegel, scheint sich das Rätsel zu lüften. Es erwartet uns ein Anblick wie ich ihn mir in Vietnam vorstelle. Auf dem Streifen zwischen den steil ansteigenden Bergen und dem Meer befindet sich auf einer Breite von wenigen hundert Metern bis mehreren Kilometern Reisefeld an Reisefeld. Alles steht unter Wasser und wer mag schon ein Picknick in knietiefem Naß?
Wir suchen intensiv eine Straße, die uns bis ans Meer führt. Was sich als gar nicht so einfach herausstellt, denn als wir einen kleinen Weg finden, wird dieser immer enger und holpriger. Ein Einheimischer weist und schließlich den Weg und plötzlich stehen wir auf einem sandigen Strand am Meer. Wir sind uns unsicher ob man hier baden darf, da wir niemanden schwimmen sehen. Die Entscheidung wird uns schnell genommen, denn lange bleiben wir nicht unentdeckt und werden mit Fragen gelöchert. Routiniert mit Händen und Füßen erklären wir woher wir sind, was wir machen und was es mit diesem ungewöhnlichen Fahrzeug auf sich hat. Es dämmert bereits und mittlerweile halten uns etwa zehn Männer und Jugendliche auf Trab. Ein Fischer holt seine Tocher und schickt Esther zu ihr hinter eine kleine Fischerhütte zum Englisch üben. Doch die Fischerstocher ist nicht gerade gesprächig und außer einen kleinen Monolog seitens Esther findet kein Austausch statt. Merkwürdige Szene, doch ähnliche Situationen werden wir auf der weiteren Reise noch öfter erleben.
Doch es dauert nicht lange und es findet sich ein sehr gut englisch sprechender junger Mann ein. Er erklärt uns, dass wir heute Nacht besser nicht hier stehen bleiben sollten. Gefährlich wäre es zwar nicht unbedingt, aber man würde uns auch nicht in Ruhe schlafen lassen. Er bietet an, vor seinem Haus nächtigen zu können und so folgen wir seinem Motorrad auf einem kleinen Pfad.
Langsam schaukeln wir durch die Dunkelheit und ich versuche konzentriert die ganz üblen Löcher zu umfahren. Plötzlich sehe ich im Augenwinkel etwas aufblitzen. Schlagartig wird mir klar was gerade passiert sein muss. Wir sind an einem Stromkabel hängen geblieben, welches gerade durchgerissen ist. Yazer meint, da wäre nichts passiert, doch Augenblicke später kommt ein aufgebrachter Mann aus dem anliegenden Grundstück gerannt. Ich laufe ihm entgegen und entschuldige mich mehrfach für das Malheur. Yazer und der Kabeleigentümer diskutieren in Farsi. Ich biete an, das Kabel bei Tageslicht reparieren zu können, doch ich bekomme erklärt, dass dies nicht das Problem sei. Vielmehr wüsste man nicht, wie man die Leitung stromlos bekommt. Es müsse doch eine Sicherung geben, gebe ich zu verstehen, doch damit liege ich falsch, denn die illegale Leitung wurde direkt von einem Strommast abgezweigt. Ich erfahre weiterhin, dass der Mann nicht wegen das defekten Kabels aufgebracht ist, sondern weil er Angst hatte und habe, dass jemand zu Schaden kommt; dass ein Kind an das immer noch funkende Kabel greifen könnte. Doch nach einer halben Stunde ist die Gefahr gebannt. Irgendwie schaffen es die Männer das Kabel von der Hauptleitung zu trennen. Die Gemüter sind beruhigt und nun entschuldigt sich der Geschädigte mehrmals bei mir. Es täte ihm sehr Leid, dass er anfangs so aufgeregt war. Ich biete nochmal an, bei der Reparatur helfen zu wollen, doch dies wird freundlich abgelehnt. Ich bin angenehm überrascht wie unproblematisch hier solche Angelegenheiten gehandhabt werden.
Wir schütteln noch einmal die Hände und wollen weiter zu Yazers Haus, doch der gibt nun zu bedenken, dass unserer Fahrzeug wohl doch zu groß ist um bei ihm stehen zu können. Deshalb parken wir vorm Haus seiner Mutter, welches sich mitten in der kleinen Ortschaft Choubar Talesh befindet. Drinnen empfängt uns Yazers Frau, seine Mutter, Bruder und Schwester. Es gibt Tee, Eier mit Tunfisch und Brot. Wir sitzen, wie in Iran üblich, auf dem Boden, der komplett mit großen, bunten Teppichen bedeckt ist. Bis auf ein Bett gibt es keine Möbel. In einer Ecke steht ein Fernseher, an der Wand hängt ein kleines Regal. Yazer erklärt, dass die Möbel nun bei seinem Bruder und ihm stehen. Doch den Anblick fast leerer Wohnräume werden wir noch öfter zu sehen bekommen. Einrichtungsgegenstände sind in Iran Luxus, den sich kaum jemand leisten kann.
Wir sind müde und ziehen uns in unseren LKW zurück. Wir haben wieder viel neues Gesehen und Erlebt, doch unsere Stimmung ist getrübt, denn eigentlich hatten wir gehofft nach zahlreichen Übernachtungen an den Straßen, einen schönen und ruhigen Stellplatz am Meer zu finden. Und aus von Yazers als Villa bezeichneten Haus, in dessen Hof inmitten eines großen Gartens wir hätten stehen sollen, ist nun die Ortsmitte eines Dorfes geworden, in dem auch noch nach Mitternacht der Winkelschleifer kreischt: Auf der gegenüberliegenden Straßenseite wird gerade ein Geschäft ausgebaut.
Den nächsten Tag verbringen wir noch einmal mit dem Versuch, im 20km entfernten Astara, der Grenzstadt zu Azerbaijan, eine Tankkarte zu bekommen. Auch hier laufen und fahren wir von Behörde zu Behörde und werden schließlich vom Bürgermeister empfangen. Aber auch in Astara bleibt die Tankkarte ein für uns nicht verstandenes Geheimnis. Zwar sind wir optimistisch, auch ohne die Karte Tanken zu können, doch wäre es interessant gewesen heraus zu bekommen, wie man eine Karte bekommt oder warum nicht – und wenn es nur als Information für andere Overlander dient.
Zurück in Choubar Talesh klingelt mein Handy. Es ist Behrouz, von der Türkisch-Iranischen Grenze. Er hat einen weiteren deutschen Touristen gefunden, der ebenfalls auf der Suche nach der Tankkarte ist. Ich erkläre Johannes, er soll sich die Mühe sparen und mit Hilfe anderer LKW-Fahrer tanken. Wenn er sich eine SIM-Karte besorgt, könnte man in Kontakt bleiben und sich später eventuell persönlich treffen.
Während meines Telefonats hat Yazer einen Bekannten getroffen, einen Unternehmer, mit dessen Hilfe wir 200 Liter tanken und sogar von ihm geschenkt bekommen. Bei einem Preis von 165 Rial (1,3 Eurocent) pro Liter, also insgesamt unglaubliche 2,60 Euro. Wir bedanken uns bei Amir – in Deutschland oder der Türkei hätte diese Tankfüllung über 200 Euro gekostet.
Wieder werden wir eingeladen, diesmal von Amir. Wir wollen ablehnen, denn eigentlich hatten wir vor, ein paar Fotos auf dem Notebook zu sortieren, um sie Yazer und seiner Familie zu zeigen. Doch die Einladung abzulehnen wäre sehr unhöflich, erklärt uns Yazer und so fahren wir mit dem LKW auf Amirs Grundstück.
Das große Anwesen besteht aus zwei großen Häusern und einem weiteren im Rohbau, die von einer Obstplantage umgeben sind. Spätestens beim Betreten des Hauses wird offensichtlich, dass es sich hier um eine besser situierte Familie handelt. Von der Veranda gelangen wir direkt ins Wohnzimmer. Feine Gardinen und eingelassene Verzierungen in den Wänden schmücken den Raum. An den Wänden stehen mehrere Sofas, vor einem ein kleiner Couchtisch. Ansonsten ist die Mitte des großen Raumes leer, denn selbstverständlich wird auch hier auf dem Boden gespeist. Esther ist begeistert von den riesigen Teppichen, mit ihren leuchtenden Farben und feinem Muster. Ein Blick in die Küche zeigt einen für Iran eher seltenen Anblick im westlichen Standard.
Neben Amir sind seine Frau, vier Töchter, ein Sohn, ein Enkel, sowie Yazer anwesend. Wir bekommen Früchte und Nüsse gereicht, erzählen von unserer bisherigen Reise und dem Leben in Deutschland. Amir ist sehr daran interessiert englisch zu lernen und blättert ständig in einem dicken Farsi/English Wörterbuch. Ich hole mein Notebook aus dem Auto, um ihm unsere Sprachlernsoftware von Rosetta Stone zu zeigen. Ich erkläre die Besonderheit, dass nicht mit Übersetzungen gearbeitet wird, sondern man ausschließlich anhand von Bildern lernt, dem gleichen Prinzip wie auch Kleinkinder sprechen lernen. Er ist begeistert und bestellt am nächsten Tag über seinen Sohn in Tehran gleich alle drei Lern-Stufen der Software.
Inzwischen sind drei Stunden vergangen, in denen die Frauen ein kleines Festmal zubereitet haben. Es wird mariniertes Hähnchen mit Kartoffeln und Möhren gereicht, welches absolut köstlich schmeckt.
Am nächsten Tag widmen wir uns einer weiteren Aufgabe, dem Auffüllen unserer Gasflasche, denn die war bereits halb leer als wir aus Deutschland los fuhren. Was ich auf Grund der unterschiedlichen Anschlusssysteme als größeres Problem befürchtete, erledigt sich schneller als ich fotografieren kann, denn Amir besitzt unter anderem eine Fabrik in der Gasflaschen gefüllt werden. Dort wird unsere Flasche in Windeseile und professionell gefüllt. Glücklich nehme ich die volle Flasche entgegen, mit der wir sicherlich die nächsten Monate auskommen werden, da wir mit dem Gas ausschließlich Kochen.
Amir zeigt uns seine zweite Fabrik, eine Produktionsstraße zur Herstellung stabiler Kunststoffsäcke, die wir vielerorts zum Transport von Reis und anderer Lebensmittel sehen konnten. Selbst die Kunststofffäden, aus denen die Säcke genäht sind, werden in der Fabrik hergestellt.
Ich schieße einige hochwertige Fotos, die ich Amir auf seinen Rechner im Büro übertrage und er später mal für eine Broschüre verwenden kann.
Amir hat einen ruhigen, angenehmen Charakter. Wir fühlen uns wie zu Besuch bei alten Bekannten. Auch seine Mitarbeiter scheinen gerne für ihn zu arbeiten. Man behandelt sich wie Freunde, was wir auch beim gemeinsamen Essen in der Fabrik empfinden. Die Männer bereiten fröhlich gelaunt in einer kleinen Küche ein frisches Hähnchen zu, welches sie anschließend hinter dem Haus auf einem kleinen Grill rösten. Dazu essen wir Reis, Tomaten, Gurken und frische Zwiebeln. Auch hier schmeckt uns das Essen sehr gut und auch hier ist das Wörterbuch Farsi/English ein ständiger Begleiter unserer Gastgeber. Doch um die gegenseitige Sympathie zu vermitteln braucht es kein Wörterbuch.
Mit großem Dank und inniger Umarmung verabschiede ich mich von Amir und wir brechen auf, um weiter an der Küste entlang Richtung Rasht zu fahren.
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Großstadt Tabris und der Besuch eines Badehauses |
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Geschrieben von Jan Riedel
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15.05.2009 |
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Iran, Sar-e Eyn, Kilometer 5.766
Unsere geplante Route durch Iran führt uns zunächst in Richtung Kaspisches Meer. Wir erreichen Tabris. Mit 1,5 Millionen Einwohner unsere erste große Stadt in Iran. Der Verkehr ist dicht und chaotisch. Von den wenigen Ampeln, werden den wenigsten Beachtung geschenkt. Aus zwei Fahrspuren werden Drei oder Vier. Taxen halten unvermittelt mitten auf der Strasse um neue Gäste ein- und aussteigen zu lassen. Das ständige Hupen mischt sich mit dem Brummen der anfahrenden Autos. Mit erhöhter Aufmerksamkeit schiebe ich mich durch den Verkehr. Ich muss lernen mich dem stetigen Fluss der Blechlawinen anzupassen. Wieder in Gedanken an den Verkehr der uns in Indien erwartet, sehe ich die Sache entspannt und genieße es sogar mitten drin zu sein, im Leben einer persischen Großstadt. Außerdem hat es auch klare Vorteile in einem LKW zu sein: Wir sitzen hoch über dem Verkehr, behalten einen guten Überblick und einem schnaubenden Dickschiff wird mehr Respekt erwiesen als einem kleinen Auto.
Wir wollen die Stadt sehen und ein paar Lebensmittel einkaufen. Da es keine Parkplätze gibt, schon gar nicht für unser Fahrzeug, tun wir es den Einheimischen gleich und parken frech am Straßenrand im Halteverbot. Keine 10 Meter vom LKW entfernt gibt lecker frisch gepressten Saft. Beim Bezahlen wird offensichtlich, dass wir Fremde sind. Dies entgeht auch einer jungen Passantin nicht und wieder einmal werden wir in englisch gefragt, ob wir Hilfe benötigen. Das Bezahlen der Getränke bekommen wir natürlich alleine hin, aber wir fragen nach dem Bassar. Sie hätte Zeit und könne uns dorthin begleiten. Das sei nicht nötig, aber schön. Schließlich verbringen wir den ganzen Tag mit Leila. Die junge Lehrerin kam gerade vom Unterricht an einer Schule. Komplett in schwarz gekleidet, trägt sie eine Kleidung, wie wir sie überall sehen. Ihre Haare und Hals verdeckt sie mit einem vorgeformten Stoff, der wie eine Haube einfach über den Kopf gezogen wird und bis über die Schultern reicht. Darunter trägt sie einen recht modernen, langen Mantel.
In den langen, dunklen, überdachten Gassen des alten Basars herrscht emsiges Treiben. Wir bewundern persische Teppichkunst, glitzernde Waren aus Gold und Edelsteinen. Wir decken uns mit Obst und Gemüse ein, kaufen leckere Datteln.
Wir schlendern an Kleider-Boutiquen vorbei und Leila kommt auf Esthers Mantel zu sprechen. Woher das gute Stück denn sei, frag sie und bestätigt, dass der Fummel nicht gerade en vouge ist. Also gehen wir Shoppen, was auch mir ausnahmsweise recht ist, denn ich möchte, dass sich Esther wohl fühlt und gefallen hat mir der Fehlkauf aus der Türkei ohnehin nicht. Wir werden fündig. Ihr neuer Mantel aus angenehm dünnen Stoff ist figurbetont und wird Esther auch außerhalb der Islamischen Republik noch gerne tragen können.
Zum Abschluss führt uns Leila in ein angeblich besonders gutes Restaurant. Der Blick auf die Karte sagt uns zwar nichts, da wir die Schrift nicht lesen können, doch die Übersetzung ist einfach: Kebab in allen Varianten. Dabei wären wir froh gewesen ein anderes iranisches Gericht kosten zu dürfen.
Leila empfiehlt uns auf dem Weg zum Kaspischen Meer einen Stopp bei Sar-e Eyn einzulegen. Dort gibt es ein berühmtes Badehaus mit Wasser aus heißen Quellen. Das hört sich verlockend an, vor allem weil man duschen kann. Zwar können wir auch im Auto duschen, dies jedoch sehr sparsam, um unsere Wasservorräte zu schonen. Ansonsten hat sich unsere „Dreckschleuse“ im Eingangsbereichs des Wohnkoffers sehr bewährt. Bekannte bezweifelten, dass die nur 1,5cm hohe Duschwanne überlaufen würde. Doch meine Konstruktion mit Abläufen in allen vier Ecken lässt auch ein Duschen zu, wenn das Fahrzeug nicht gerade steht.
Natürlich ist ein gemeinsames Baden mit Männern und Frauen in Iran undenkbar. Bereits vor dem Gebäude werden die Geschlechter getrennt. Ich verabschiede mich von Esther für die nächsten zwei Stunden und begebe mich zum Männer-Eingang auf der anderen Seite der Therme. 20.000 Rial kostet der Eintritt, knapp 1,50 €. Als erstes gebe ich die Schuhe ab und darf in eine der herumliegenden Badeschlappen schlüpfen. Ich verzichte und bin froh meine eigenen Flip-Flops dabei zu haben. Im Schwimmbecken schwappt eine gelbbräunliche Brühe. Das ganze Bad hat diesen nicht besonders einladenden Farbton, doch die Farbe kommt vom hohen Schwefelgehalt des Wassers. Mit etwas Überwindung steige ich in das etwa 35°C warme Wasser. Da das Becken recht klein ist und viele Männer darin planschen ist an Schwimmen ist zu denken. Zudem beträgt die Wassertiefe nur 1,30m – vermutlich, weil kaum einer der Gäste richtig Schwimmen kann, denn die Meisten bewegen sich im Schwimmstil „Hund“ durch das Wasser. Es herrscht eine ausgelassene, fröhliche und lautstarke Stimmung, doch gleichzeitig wollen sich die Männer gegenseitig imponieren, da es hierfür jedoch nicht viele Möglichkeiten gibt, beschränkt es sich darauf spektakulär ins Wasser zu fallen und anschließend möglichst lange leblos mit dem Kopf nach unten im Wasser zu treiben. Ich beobachte dieses lustige Verhalten ein wenig und begebe mich anschließend in die Sauna. Während meines zehnminütigen Besuches, stelle ich fest, dass auch die Art des Saunierens in Iran von unseren deutschen Gewohnheiten stark abweicht. Die Badehose bleibt angezogen, Handtücher werden keine verwendet. Es geht zu wie auf dem Bahnhof, beim Kommen und Gehen wird selten die Türe geschlossen. Ein durchschnittlicher Saunagang dauert etwa eine Minute und in dieser Zeit finden möglichst Leibesübungen statt. Das können wildes wirbeln mit den Armen sein oder einfache Strechübungen. Wo sich jeder Deutsche Saunagänger in seiner Ruhe gestört fühlen würde, amüsiere ich mich und als jemand anfängt Liegestützen zu drücken, musste ich mir das Grinsen ernsthaft verkneifen.
Wenig später frage ich Esther nach ihrem Erlebnis. Erwartungsgemäß ging es bei den Frauen ruhiger zu. Meist saß man am Beckenrand und ließ die Beine ins Wasser baumeln. Etwas störend empfand sie den Röntgenblick mit dem sich die Frauen gegenseitig visuell inspizierten und ist nun ein wenig froh wieder ihr Kopftuch und Mantel tragen zu können. Denn mit ihrem neuen Mantel aus Tabris fühlt sie sich sogar richtig schick.
Wir fahren weiter. Bis zum Kaspischen Meer sind es nur 100km. Bei dem bisher durchweg guten Straßenzustand werden wir dort noch heute ankommen.
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Tanken in Iran - eine Sache fuer sich |
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Geschrieben von Jan Riedel
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13.05.2009 |
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Iran, Maku, Kilometer 5.264.
Nun sind wir in Persien. Doch ohne Dieselnachschub werden wir nicht weit kommen. Wir sind ratlos wo wir die Chipkarte erhalten, die wir zum Tanken benötigen. An mehreren Tankstellen fragen wir danach, jedoch ohne Erfolg. In Maku, der ersten kleinen Stadt nach der Grenze, halte ich völlig entnervt vor einer weiteren Tankstelle und sinke mit dem Kopf auf das Lenkrad. Es dauert keine drei Minuten, da klopft jemand an die Beifahrertür und fragt Esther: „Can I help you?“ Wir erzählen dem hilfsbereiten Iraner die Misere mit dem Tanken. Er schlägt vor, dass wir in sein Auto steigen und das Problem lösen werden. Da wir erst vor ein paar Tagen einen Bericht eines anderen Reisenden gelesen haben, der kurz hinter der Grenze von angeblichen Polizisten ausgeraubt wurde, zu denen er ins Auto stieg, sind wir vorsichtig. Wir erklären, dass wir gerne mit dem LKW hinterher fahren wollen, worauf er meint, dass dies zu lange dauern würde. Unser Misstrauen ist uns peinlich, doch nach dem anstrengenden, gestrigen Grenzübergang wollen wir kein Risiko eingehen. Schließlich fährt er doch voraus und wir folgen ihm. Leider kommen wir an der nächsten großen Tankstelle auch in Landessprache nicht weiter. Doch Behrouz, ein pensionierter Englisch Lehrer, meint optimistisch: „There is no problem.“ und fährt mit uns noch einmal zurück zur 25km entfernten Grenze. Diesmal steigen wir doch in sein Auto ein und lassen den LKW an der Tankstelle stehen.
Unterwegs fragt er uns, ob wir schon eine Versicherung für das Auto abgeschlossen haben und wir zeigen ihm den kleinen Versicherungsschein, den wir am Vortrag für 90 Euro erstanden haben. Er schüttelt den Kopf und fragt mich, warum ich so viel bezahlt hätte. Auf dem Schein würde stehen, dass er nur 45 Euro kostet. Meine Antwort beschränkt sich darauf, dass ich kein Farsi lesen kann und ein kleiner dummer Tourist sei. Das ist Behrouz ein Besuch des windigen Versicherungsmarklers wert. Dort bekommen wir natürlich nicht unser zu viel bezahltes Geld zurück, doch Behrouz ist hier ein bekannter Mann und wird ihm sein zukünftiges Geschäft vermiesen. Als wir das Büro verlassen kommentiert Behrouz kurz, „He was my studend, but now he is corrupt!“.
An der Grenze angekommen werden wir von einem Büro zum anderen geschickt, bis wir vom Chef der Grenzstation in seinem geräumigen Office empfangen werden. Wir fühlen uns geehrt, immerhin ist diese Grenze das Nadelöhr zwischen Asien und Europa. Dort bekommen wir unseren ersten iranischen Tee serviert, der hier ebenfalls Cay heißt. Er schmeckt etwas milder und wie wir finden noch leckerer als der türkische Tee. Dafür gibt es keine Löffel um den Zucker umzurühren. Hier legt man sich beim Trinken das Zuckerstück direkt in den Mund. So was will geübt werden, aber wir sind nicht zum Teetrinken gekommen.
Selbst diverse Telefonate mit Teheran helfen nicht weiter. Die Karte bleibt ein Mysterium. Aber Behrouz hat der Ehrgeiz gepackt, so schnell gibt er nicht auf. Wir steigen wieder in sein Auto. Zielstrebig geht es zurück nach Maku, wo wir den Chef einer Tankstellenkette treffen. Dort gibt es die zweite Runde Tee, aber keine Tankkarte. Soweit wir die Lage verstehen, heißt es in einem Schreiben aus Teheran, dass eine Tankkarte für Touristen ausgegeben werden soll, doch die Karten selbst sind an der Grenze nicht verfügbar. Daher kommt es auch, dass wir bei allen Tankstellen nach der Karte gefragt werden. Woher sollen sie willen, dass es an der Grenze zur Zeit keine Karten gibt.
Ein letzter Versuch endet vor den verschlossenen Toren des Bürgermeisters von Maku, doch es ist bereits zu spät unser Anliegen vorzubringen. Wir sind hungrig und laden Behrouz zum Essen ein. In einem Restaurant bekommen wir leckeren Kebab – noch wissen wir nicht, dass es der beste Kebab unseres Iranbesuchs gewesen ist.
Auf dem Rückweg zum LKW kaufen wir uns eine Iran Telefonkarte für unser Handy. Das lohnt sich, denn wir sind fast vier Wochen im Land und telefonieren ins In- und Ausland ist mit einem lokalen Netzanbieter weit aus günstiger, als mit meiner deutschen SIM-Karte.
Zurück am LKW bedanken wir uns bei Behrouz für seine Mühe. Wenngleich vergeblich, hat er acht Stunden seiner Zeit für uns geopfert. Er wolle nicht nach Geld fragen, aber ein Souvenir für seine Kinder oder Frau wäre schön und bringt uns damit in Verlegenheit, denn Andenken oder Kinderspielzeug aus Deutschland haben wir nicht dabei. Wir schenken Ihm eine Weltkarte und ein günstiges Fernglas, das ich allerdings lieber einen Hirten oder Schäfer gegeben hätte.
Zum Abschied gibt Behrouz Esther noch einen Hinweis auf den Weg: „Don't cover yourself to much!“ und spielt damit auf Esthers nervöses Zupfen am Kragen an. Es ist der erste Tag im Iran und sie fühlt sich mit der Kleidervorschrift unsicher. Immer wieder hält sie sich den Kragen ihres Mantels zu, um ihren Ausschnitt zu verdecken und kontrolliert, ob das Kopftuch richtig sitzt. Auch der Hinweis, dass sie im Auto kein Kopftuch tragen müsse, lässt Esther aufatmen.
Wir tanken 40 Liter auf die Karte eines anderen LKW Fahrers. Ein Vorgehen, welches wir bei allen unseren Tankstops im Iran erfolgreich praktizieren werden, denn auch ein weiterer Versuch einige Tage später, an der Grenze zu Azerbaijan, wird uns keine Tankkarte bescheren.
Warum es keine Karten gibt, verstehen wir nicht – genau so wenig wie die Grenzbeamten bei unserer späteren Ausreise nach Turkmenistan, wo man uns zunächst nicht glauben will, dass wir keine Tankkarte zum Abgeben haben.
Der weitere Hinweis von Behrouz, dass wir uns den Umweg über Kroy, zum Abholen der iranischen Nummernschilder sparen können, kommt uns gerade recht. Er begründet dies damit, dass die Schilder gar nicht notwendig wären und nur einen Nachteil hätten: Die Polizei würde damit jede Gelegenheit nutzen uns wegen (angeblichen) Verkehrsdelikten Strafen aufzubrummen, die wir gesammelt bei Abgabe der Schilder an der Grenze zahlen dürften. Ob dem wirklich so ist, können wir nicht beurteilen. Fakt ist, dass wir weder im Land, noch bei der Ausreise, irgendwelche Probleme wegen eines fehlenden iranischen Nummernschilds bekommen.
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